Wortwahl Mobbing: Betroffene, Opfer, Täter

 

Egal was Sie meiner Homepage zum Thema Mobbing lesen, Sie werden immer wieder die Formulierung „Mobbing-Betroffene“ anstelle von Mobbing-Opfer finden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird jedoch von Mobbing-Opfern gesprochen. Ich möchte hier keine Verharmlosung von Mobbing vornehmen, sondern bewusst eine kleine, aber bewusste sprachliche Abgrenzung gegenüber den Personen treffen, die Opfer von jeglicher von physischer oder sexueller Gewalt geworden sind: Kriegsopfer, Terroropfer, Opfer von Gewaltverbrechen, Vergewaltigungsopfer, Opfer von schweren Naturkatastrophen oder Verkehrsunfällen.

Meine These dazu lautet: Sprache schafft Realität!

Die Verwendung des Begriffs Mobbing-Opfer lädt viele unbewusst dazu ein, in der Rolle des Opfers zu verharren. Es ist in dem Begriff Mobbing-Betroffene(r) mehr Handlungspotential enthalten als in dem Begriff Mobbing-Opfer. In unserer Gesellschaft verbirgt sich in der häufig verwendeten Redewendung „Opfer tun sich schwer …“ eine unbewusste innere Schwächung, sobald man als Opfer bezeichnet wird. Der Begriff Opfer ist passiv konnotiert. Aktiv wird man jedoch, wenn man die Formulierung „Handeln Sie jetzt, wenn Sie betroffen sind…“

Auch wenn grundsätzlich jede Person Opfer von Mobbing werden kann, so ist es mein Wunsch, dass aus passiven „Opfern“ wieder aktive „Betroffene“ werden, die handeln wollen und können. Dies möchte ich hiermit bewusst und unbewusst sprachlich ausdrücken. Und daher verwende ich den Begriff Mobbing-Betroffene. Nur soweit ich mich im allgemeinen Bereich der Rechtsthemen äußere, verwende ich jedoch den Begriff „Opfer“. Denn durch die vielen einzelnen Schikanen und Mobbing-Taten, werden die Mobbing-Betroffenen im juristischen Sprachkontext als Opfer bezeichnet. (Für Interessierte: in der Ausgabe der Psychologie Heute 09/2018 S. 29 beschäftigt sich der Artikel "Opfer!" ausführlich mit dem Bedeutung und der Geschichte des Begriffs Opfer.)

 

Person am Boden wird getretenGanz bewusst verwende ich jedoch den Gegenbegriff „Täter“. Und damit bezeichne ich grundsätzlich nicht nur den führenden Kopf, sondern auch die aktiven Mittäter als auch die passiven Zuschauer und Beobachter. Was im Mobbing geschieht, folgt für beide Seiten oft einer Kriegslogik: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ und der biblischen Formulierung „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ (Mt. 12, 30).

Letzteres wirkt aus der Sicht der Mobbing-Betroffen besonders unglücklich aus. Wer die Mobbing-Betroffenen nämlich nicht unterstützt arbeitet indirekt gegen sie, weil damit sie keinerlei Unterstützung mehr von ihren Kollegen und Kolleginnen aus der Organisation erfahren.

Deshalb neige ich dazu, auch passive Beobachter, die neutral bleiben wollen und sich auch so verhalten, als Mit-Täter zu bezeichnen. Jeder Nicht-Widerstand gegen den Psychoterror unterstützt die Täter und damit ergeht auch von meiner Seite die Aufforderung, bei Mobbing nicht neutral zu bleiben und wegzuschauen, sondern aktiv zu intervenieren.

Dies gilt für Kollegen und noch viel mehr für Führungskräfte, denn Teil deren Führungsaufgabe ist es auch die Rahmenbedingungen der Arbeit zu gestalten: und damit auch das Arbeitsklima.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren