Zu starker Optimismus – eine mögliche Burnout-Ursache

 

Im Rahmen der Burnout-Vorbeugung sollte ein Lerneffekt sein, dass man sich realistische und angemessene Ziele setzen kann. Zu starker Optimismus könnte eine negative Spirale in Gang setzen, wie es in einer Ausgabe der Zeitschrift Psychologie Heute lautet:

„Plakativ zugespitzt könnte man sagen das Optimisten Burnout gefährdet sind, wenn sie in Situationen geraten, in der sie objektiv überfordernd sind. Die rosarote Brille hindert sie daran ihre Grenzen rechtzeitig zu erkennen. Ein Optimist sagt sich vielleicht, das muss doch gehen, ich schaff das schon, wenn ich mich richtig anstrenge. Ich finde eine Lösung. Ein Pessimist zieht sich hingegen früher zurück und sagt das ist sowieso nicht zu schaffen. Der pessimistisch motivierte resignative Rückzug könne manchmal gesunder sein.“ [1]

Was heißt das jetzt? Wenn man die eigene Leistung zu optimistisch einschätzt, kann es sein, dass man massiv unter Druck gerät und diese unter völlig falschen Annahmen erbringen muss. Wenn man diese sich selbst gesetzten Ziele nach außen vertreten muss, hängt man sich unbedingt rein, auch um den eigenen Job zu sichern. Wenn man diese dann doch nicht erreicht, kann es sein, dass man sich bei wenig stark ausgeprägten Selbstbewusstsein sich selbst zum Versager erniedrigt.
Das gleiche gilt, wenn man sich zu ehrgeizige Karriereziele gesteckt hat und diese nicht erreicht. Selbst wenn diese von vornherein objektiv nicht erreichbar gewesen wären, verbucht man das auch als persönliches Versagen. Und damit steigt man in die Stress-Spirale des Burnouts ein. Statt künftig mehr des Richtigen zu tun, kann es zu einem mehr hilft mehr beim falschen Tun kommen. Damit steigt weiter die Arbeitsbelastung, ohne zusätzlichen Erfolg zu erreichen.

Hilfreicher stattdessen wäre es eine pessimistischere (hier: auch realistischere) Sicht zu entwickeln. Stattdessen wäre eine gründliche Selbstreflexion des eigenen Selbstmanagements sinnvoll. Diese könnte z. B. im Rahmen eines Coachings/einer Supervision erfolgen und anschließend gelingend  daran gearbeitet werden, wie diese verbessert und dieses neue (und sehr wahrscheinlich bessere) Vorgehen und Verhalten nachhaltig etabliert werden kann. Ziel sollte nicht ein genereller Pessimismus (frei nach dem Motto: „Ein Pessimist ist ein Optimist mit Erfahrung.“), sondern nur ein „gedämpfter“ Optimismus, der mit neuen Möglichkeiten der Selbsteinschätzung realistischere Ziele ermöglicht.

Wenn Sie bereits ein Optimist sind, bleiben Sie es bitte, aber seien Sie aufmerksam und vorsichtig bei Ihren Einschätzungen. Sollten Sie ein Pessimist sein, so kann Ihnen eine gelegentliche Portion nur nützen. Egal wozu Sie tendieren, ich wünsche Ihnen ein ausgewogenes Urteil und gelingende Selbsteinschätzungen.

 

[1] Psychologie Heute, Ausgabe 04/2018 „Optimistisch werden – warum eigentlich?“, S. 24 - 27

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