Vorurteile Burnout

 

Es gibt eine Reihe von Vorurteilen über Burnout. Nachstehend können Sie einige nachlesen.

 

Burnout ist eine Modediagnose

Das Deutsche Ärzteblatt in der der Ausgabe Dezember 2011 druckte einen Artikel mit dem Titel „Modediagnose Burn-out“ stellt aber im Laufe des Artikels fest: „Das Phänomen Burn-out hat es wahrscheinlich zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben.“ Als erste schriftliche Erwähnung verweist man auf die die sog. „Elias-Müdigkeit“ in der Bibel (1. Kön. 19, 1 – 17), die nach bibelhistorischen Einordnungen mindestens 3.200 Jahre alt sein dürfte.

Um Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine Modekrankheit der gehobenen Gesellschaftsschicht die sog. „reizbare Schwäche“ die den Symptomen des heutigen Burnouts entspricht; damals sprach man Neurasthenie. Diese Diagnose wird auch heute im ICD-10 als Diagnose unter F48.0 aufgeführt.

Als Hauptschwierigkeit gilt bei Burnout, dass bis heute keine klare Definition mit eindeutigen Abgrenzungen zu anderen Krankheiten gibt. Im ICD-10 wird die Diagnose „Burnout“ unter Z73.0 geführt. Allerdings wird diese Diagnose zusätzlich(!), aber nicht eigenständig vergeben wird. Eine besondere Schwierigkeit in den meisten Gesundheitssystemen ist, dass die Diagnose Z73.0 nicht abrechenbar ist, aber Diagnosen mit sehr ähnlichen Symptomen (Depression, Neurasthenie, Anpassungsstörung) sehr wohl.

Dies erschwert bis heute die Erarbeitung einer klaren Definition.  

 

Burnout ist eine Depression

Für die Allgemeinheit ist die Depression verbreitetet als psychische Erkrankung mit vielen gleichartigen Symptomen, die auch im Burnout vorhanden sind, bekannt. Daher der Trugschluss Burnout sei eine Depression. Die meisten Personen, die eine Depression haben, verfügen aber keinen inneren Antrieb, während Personen im Burnout sich in einem permanenten Kampfzustand befinden und weiterarbeiten.  Für die klassische Behandlung verwenden Ärzte und Therapeuten die Diagnose „Depression“, weil diese abrechenbar ist oder bei einem Antrag auf Berufsunfähigkeit eher einen sicheren Stand bei der Anerkennung als Krankheitsursachen haben als die noch nicht als vollständig anerkannte Diagnose Burnout.

 

Burnout ist ein Ritterschlag bei Leistungsträgern

Burnout bedeutet übersetzt ausbrennen, d. h. wer für sich die Diagnose Burnout nach außen in Anspruch nimmt, will damit auch aussagen, dass er/sie vorher mit aller Energie gebrannt hat. Es gibt auch Führungskräfte oder andere Leistungsträger, die über sich aussagen: „Ich habe bereits mein zweites Burnout hinter mir.“ Diese glorifizieren den Zusammenbruch und wollen damit den vollen Einsatz für ihr Unternehmen demonstrieren, und dass sie gewillt sind über ihre eigenen Grenzen hinaus zu gehen bereit sind. Tatsächlich betreiben diese Menschen Raubbau an ihrer eigenen Gesundheit. Darüber hinaus verursachen diese mit ihren Krankheitszeiten entsprechenden Kosten sowohl für die Behandlung als auch den Arbeits- bzw. Produktionsausfall und die entsprechende Lohnfortzahlung.

Tatsächlich sind solche Menschen in Führungspositionen äußerst gefährlich und werden auf Dauer teuer für das Unternehmen. Da sie ihre eigenen Grenzen nicht achten, missachten sie auch die persönlichen und gesundheitlichen Grenzen ihrer Mitarbeiter. Menschen mit einer gesunden Einstellung zu sich selbst, ziehen klare Grenzen und verlassen ggf. das Unternehmen, andere werden auf kurz oder lang krank. Sowohl die Ausfallzeiten bei Krankheit, die Personalneugewinnung als auch der Wissensverlust qualifizierter Mitarbeiter verursachen nur unnötige Kosten im Unternehmen. Wenn Ritterschlag, dann Raubritterschlag zu Ungunsten des Unternehmens, bei dem beide – sowohl der „Ritter“ als auch das Unternehmen – verlieren.

 

Burnout wird durch Urlaub geheilt

„Du brauchst nur Urlaub nehmen.“ Diesen Ratschlag erhalten oft die Betroffenen.  Tatsächlich können diese sich nicht mehr erholen. Der Zustand ist jedoch wieder der gleiche sobald man wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt.  Die Symptome kehren spätestens nach zwei Wochen zurück.
Denn die Betroffenen können im Urlaub nicht mehr ihre inneren Energiereserven aufladen.  Die Abwesenheit von der Arbeit kann diese belasten, manche Menschen lesen berufliche Emails zuhause oder wollen auch im Urlaub ständig informiert sein. Oder es könnten zusätzliche private Probleme geben (z. B. Beziehungsprobleme, finanzielle Probleme oder sonstige belastende Ereignisse), die keine Erholung ermöglichen. Auch besondere Hobbies oder Ehrenämter können ebenfalls die Erholung massiv beeinträchtigen. Speziell Ehrenämter mit besonderer Verantwortung wie Vorsitzende(r) oder Kassier/Schatzmeister, bei denen man auch öffentlich exponiert sind, können bei Schwierigkeiten ebenfalls dem Erholungseffekt zuwiderlaufen.

 

Burnout ist nur eine Ausrede für Faule

Dieses Vorurteil ist die konsequente Umkehrung der Aussage, dass Burnout eine Auszeichnung für Leistungsträger wäre. In der Regel sind Personen, mit hoher Gewissenhaftigkeit und Leistungsbereitschaft betroffen von Burnout. Es handelt sich bei diesem Vorurteil hier um den Versuch von verständnislosen Arbeitgebers Druck auf kranke Mitarbeiter auszuüben, sich möglichst schnell wieder an den Arbeitsplatz zu begeben. Meist wirkt das bei Burnout-Betroffenen noch viel stärker, da es bei ihrem Verantwortungsbewusst massiv rüttelt. Wenn diese keine Kraft mehr haben, so drückt dieser Umstand diese noch viel tiefer in die Verzweiflung.  

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Kommentare   

0 # Gustav Sucher 2018-12-04 11:25
Hallo, der Text ist wirklich klasse! Ich hatte letztes Jahr ein Burnout und konnte kaum mehr arbeiten, obwohl ich es wollte. Das ist wirklich eine doofe Situation. Nun, nach etwa einem Jahr, kann ich sagen, dass ich langsam das Burnout überwunden habe. Urlaub habe ich auch genommen, aber das hat nur die Borreliose verschwinden lassen. Danke für den Blog!
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0 # Dominik Peschke 2018-12-04 13:03
Danke für das Feedback.
Ich finde Aufklärung zu diesem Thema sehr wichtig, da insbesondere Nicht-Betroffene sich die ganze Situation nicht wirklich vorstellen können.
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