Das Elias-Syndrom

Burnout ist nichts neues. Eines der frühesten Schriftzeugnisse, welches das Burnout beschreibt ist in Bibel zu finden. Im Buch 1. Könige 19 findet sich die Geschichte des Propheten Elias. Deshalb spricht man gelegentlich beim Burnout auch vom Elias-Syndrom oder auch der Elias-Müdigkeit.
Die Geschichte soll hier im Folgenden nicht religiös ausgelegt, sondern aus Sicht der Entwicklung eines Burnout-Betroffenen und den greifenden Hilfemaßnahmen in die heutige Zeit gedeutet werden.

 

Nachstehend die biblische Erzählung nach der Einheitsübersetzung (1. Kön. 19, 1 – 19)

 

Text

Deutung

1

Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch dass er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.

Nachdem er voller Energie als Prophet die 450 Propheten des Baals getötet und ein Feuerwunder vollbracht hatte, musste er vor dem König Ahab und seiner Frau Isebel fliehen, denn diese wollten ihn aus Rache töten lassen. Nach diesen glaubenskriegerisch höchst erfolgreichen Aktion hatte er Angst um sein Leben.

 

2

Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache.

3

Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück.

Völlig verzweifelt und erschöpft lässt er sogar seinen Diener zurück um in die Wüste zu gehen. Ein klassischer sozialer Rückzug bei Burnout und Depressionen. Metaphorisch gesehen ist die „Wüste“ eine lebensfeindliche Einsamkeit. Seine Aussage „nicht besser als meine Väter“ zu sein, zeigt die eigenen, auch zu hohen Ansprüche an sich selbst auf. „Nimm mein Leben“ deutet eine suizidale Situation an. Auch Zweifel am Sinn seines Tuns schwingen hier mit.

 

4

Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter.

5

Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein. Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss!

Das wichtigste in dieser Situation ist erst einmal sich um die eigenen Grundbedürfnisse wieder zu besinnen. Der Engel könnte – in die heutige Zeit gedeutet – ein Angehöriger, Freund, Coach, Arzt oder Psychotherapeut sein. Essen, Trinken und Schlafen sind in dieser Situation die grundlegendsten Bedürfnisse, um die man sich kümmern muss. Das ist auch der Grundsatz im die Essenz im Text „Erste Hilfe“ für Burnout-Betroffene.

 

6

Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.

7

Doch der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Sonst ist der Weg zu weit für dich.

8

Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.

Elia unternimmt eine lange Wanderung zum Berg Horeb. Diese ist an sich schon lang (40 Tagesmärsche). Auf der anderen Seite ist das Spazierengehen bzw. Wandern eine medizinisch-therapeutisch sinnvolle Maßnahme: dies wird als wichtige Erste-Hilfe sowohl bei Burnout als auch Depression häufig empfohlen. Auch wenig oder gar nicht religiöse Menschen nutzen gelegentlich eine Wanderung auf Pilgerwegen (z. B. den Jakobsweg) um zu sich zu finden.

9

Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija?

In der Höhle zieht er sich von den Menschen zurück. Auch eine klassische Reaktion von Burnout-Betroffenen.
Hier wird er in dieser Erzählung von Gott gefragt, was ihn denn hierher gebracht habe? Hier beginnt im Burnout eine Phase der Stärkung durch eine Person, welche die richtigen Fragen stellt. Hier sind gute Begleiter gefordert, welche die richtigen Fragen stellen. Dies können Ärzte, Psychotherapeuten oder Coaches und Supervisoren oder andere geeignete Mentoren sein.

10

Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.

Elia zeigt hier seine Wahrnehmung: er hat seine Perspektive verloren, ist mut- und kraftlos und hat immer noch lebensmüde Gedanken.

11

Der Herr antwortete: Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben.

Gott fordert Elia auf, sich auf den Berg zu stellen.
Elia erlebt extreme und beängstigende Naturphänomene: einen Sturm im Gebirge - eine Situation, die jeder kluge Bergwanderer vermeiden zu sucht. Ein Erdbeben folgte, und anschließend Feuer, wahrscheinlich ein örtlicher Vulkanausbruch. Alles lebensgefährliche Ereignisse.

12

Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.

Und dann tritt Stille und Ruhe ein ("sanftes, leises Säuseln"). Hier kommt Elia nach solchen gewaltigen Ereignissen zur Ruhe und zur Besinnung. Im Burnout heißt das, sich einfach aus dem Rummel und dem Stress zurückziehen.
In der Ruhe liegt die Kraft. Noch wichtiger ist aber der Schritt wieder hinaus in die Welt.

13

Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.

 

 

 14 Da vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: Was willst du hier, Elija? Er antwortete: Mit Leidenschaft bin ich für den HERRN, den Gott der Heerscharen, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Erneut wird Elia befragt, was er will. Auch  professionelle Berater und Begleiter werden in dieser Lage häufig Fragen danach stellen, was den Betroffenen Sinn und Kraft gibt.
 15 Der HERR antwortete ihm: Geh deinen Weg durch die Wüste zurück und begib dich nach Damaskus! Bist du dort angekommen, salbe Hasaël zum König über Aram! Elia bekommt an dieser Stelle neue Aufgaben und eine neue Perspektive. Ein professioneller Berater wird hier keine eigenen Vorschläge machen, sondern den Betroffenen dazu ermuntern, seinen eigenen - vielleicht auch einen neuen - Weg oder Aufgaben zu finden.
16 Jehu, den Sohn Nimschis, sollst du zum König von Israel salben und Elischa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola, salbe zum Propheten an deiner Stelle. Als abschließenden und entlastenden Schritt soll er Elischa als seinen Nachfolger berufen.
 17 So wird es geschehen: Wer dem Schwert Hasaëls entrinnt, den wird Jehu töten. Und wer dem Schwert Jehus entrinnt, den wird Elischa töten.  
 18 Ich werde in Israel siebentausend übrig lassen, alle, deren Knie sich vor dem Baal nicht gebeugt und deren Mund ihn nicht geküsst hat. Mit der Ankündigung Gottes, dass in Israel noch 7000 gläubige Juden übrig sind, erhält auch Elias Tun wieder neuen Sinn. Er hielt sich für den letzten überlebenden Anhänger und weiß jetzt, dass er nicht allein ist, und weiß auch wieder, wofür und für wen er wirken soll.
 19 Als Elija von dort weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn.  

Quellen/Links:

https://www.bibleserver.com/text/EU/1.K%C3%B6nige19

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