Dominik Peschke
Beratung, Coaching & Kommunikation

Am Computer schreibende Person mit dem Wort 'BLOG' als 'Tisch'

 

Herzlich Willkommen zu meinem Blog

 

In unregelmäßigen Abständen schreibe ich schwerpunktmäßig zu den Themen Stress, Burnout und Mobbing. Ich schreibe zu Sachthemen als auch zu persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen, sowohl in der Arbeit mit Menschen als auch gelegentlich meine ganz eigenen persönlichen Erlebnisse dazu. Ich lade Sie dazu ein neugierig zu sein als auch gerne einmal kritisch zu kommentieren und mitzudiskutieren. Und falls Sie einen Themenwunsch haben, dann schreiben Sie mir eine kurze E-Mail.

Eindrücke zur Kündigung eines Mobbing-Betroffenen

 

Heute hat ein Mobbing-Betroffener im Krankenstand mit Burnout die Kündigung seines Arbeitgebers im Briefkasten gehabt. Er rief mich heute an und berichtete mir sein Leid.
Es ist eine glückliche Fügung, dass er bereits auf meinen Rat für heute ein Nachmittag einen schon länger ausgemachten Termin zur Rechtsberatung hatte. So kann schnell reagiert und gehandelt werden. Dennoch hat mich hat diese Situation betroffen gemacht.

Mir fällt in dieser Situation eine Station aus dem musikalischen Kreuzweg von Joseph Kronsteiner ein: „Sie haben meine Hände und Füße durchbohrt, und alle meine Gebeine gezählt.“ Diesen hat vor vielen Jahren der Kirchenchor der Regensburger Dompfarrei, in welchen ich damals mitsang, aufgeführt und wurde damals in die Karfreitagsliturgie integriert. Ein sehr ergreifendes Werk. Für diesen von Mobbing betroffenen Menschen ist heute sein persönlicher Karfreitag. Erst kann dieser Mensch mit seinen Händen aufgrund des jahrelangen Mobbings und seinen daraus resultieren Zusammenbruchs nicht mehr arbeiten, und jetzt darf er es noch nicht einmal mehr, selbst wenn er es könnte. Denn er wurde gekündigt – und das im Krankenstand.

Dennoch: es kann rechtlich gehandelt und ihm geholfen werden und er hat nach einer möglichen psychosomatischen Rehabilitation wieder alle beruflichen Möglichkeiten offen. Und seine berufliche Wiederauferstehung ist absehbar. Es wird zwar etwas länger als drei Tage dauern, aber er wird es schaffen. Davon bin ich überzeugt.

Und meine Botschaft an ihn persönlich, wenn er das liest: „Ich glaube an dich!“

Erbsen zählen macht glücklich

 

Rechnen und Zählen

So ein Erbsenzähler. Mit diesem Begriff sind eher negative Eigenschaften und Begriffe verbunden: dieser bezeichnet eine bürokratische oder unnötig pingelige Person; damit oft verbundene Eigenschaften sind Geiz, Pedanterie oder kleinliches Handeln und Denken. Gerne auch wird der Begriff auch abwertend für besonders „korrekte“ Beamte verwendet.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen hier Erbsenzählen in einer besonderen Form als Achtsamkeitsübung vorstellen. Und damit möchte ich Ihnen ein klares und bewusstes Ziel anbieten: „Glücklicher und zufriedener durch Erbsenzählen.“

 

Mobbing – Teil der Unternehmensstrategie?

 

AngstMobbing ist in einigen Organisationen Teil der Unternehmensstrategie, genauer gesagt Teil des Personalmanagements.

Es gilt als kostengünstige Variante Mitarbeiter über Mobbing aus der Organisation zu vertreiben.

Langjährige und/oder ältere Mitarbeiter sind der Regel durchschnittlich höher bezahlt und gelten damit meist als zu teuer. Darüber hinaus sind langjährig beschäftigte Mitarbeiter auch rechtlich schwerer zu kündigen.
Einen Sonderfall stellen ehemalige Staatskonzerne, Behörden und sonstige Organisationen dar, die dem im öffentlichen Dienst angegliedert sind. Die dort noch tätigen Beamten sind in der Regel unkündbar. Ähnlich diesen können die hier Beschäftigten im Angestelltenverhältnis aufgrund Tarifverträgen meist nach einer bestimmten Beschäftigungsdauer entweder faktisch nicht oder nur noch mit sehr hohen Abfindungen entlassen werden. Zynisch gesagt hilft hier nur noch Mobbing um diese Beschäftigungsverhältnisse lösen zu können.

Manchmal fahren Unternehmen auch diese Strategie um missliebige Betriebsräte bei Unternehmensentscheidungen willig zu bekommen oder loszuwerden.

Die finanziellen Vorteile hieraus für den Arbeitgeber sind:

  • die betroffenen Mitarbeiter kündigen von sich aus oder werden früh verrentet, damit keine hohen Abfindungen
  • geringe Kosten für Rechtsstreitigkeiten, da nur wenige bis gar keine Klagen auf Kündigungsschutz und Schadensersatz
  • keine bis nur sehr wenige nur sehr wenige Schadensersatzklagen:
    Mobbing ist rechtlich schwer und aufwändig beweisbar
  • keine klar sichtbare Täterseite
  • Ein Organisationsverschulden kann nur mit großen Aufwand nachgewiesen werden

Für die Betroffenen ist meist die psychische Belastung viel zu hoch, als dass man langwierige (oder langjährige) Schadensersatzprozesse in Kauf nimmt.

Nachfolgend noch zwei Online-Presseberichte über Organisationen, deren Mobbing-Strategie es bis zur einer Presseberichterstattung geschafft:

Über 50-Jährige schikaniert bis zur Kündigung:

https://www.t-online.de/finanzen/jobs/id_47695244/mobbing-ueber-50-jaehrige-schikaniert-bis-zur-kuendigung.html

Mobbing bei der Deutschen Post:

http://www.spiegel.de/karriere/internes-papier-deutsche-post-muss-mobbing-leitfaden-erklaeren-a-818351.html

 

 

 

In den vorgenannten Artikeln wurde entsprechend medial berichtet. Ich selbst kenne persönlich Fälle in Pflegeeinrichtungen, in denen sogenannte ältere und damit (für den Arbeitgeber) teure Mitarbeiter gezielt gemobbt wurden mit dem Ziel der Eigenkündigung. In einem anderen Fall sogar versuchte man sogar einen Betriebsrat aufgrund inzwischen gerichtlich feststellten Falschaussagen aus der Organisation zu treiben.

 

Völkerball als „legalisiertes Mobbing“Ballschaukel

 

Nachdenklich machte mich eine Veröffentlichung einer kanadischen Forschergruppe im Juni in diesem Jahr, dass Völkerball „legalisiertes Mobbing“ sei. Vorweg zum besseren Verständnis: es handelt sich um das Spiel Dodgeball; das Spiel Völkerball selbst ist „nur“ eine Variante davon.

Als Coach, der ich mich selbst regelmäßig mit diesem Thema beschäftigen muss, möchte ich mit meiner Meinung etwas ruhiger und ausgewogen dazu beitragen.

 

Wortwahl Mobbing: Betroffene, Opfer, Täter

 

Egal was Sie meiner Homepage zum Thema Mobbing lesen, Sie werden immer wieder die Formulierung „Mobbing-Betroffene“ anstelle von Mobbing-Opfer finden. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird jedoch von Mobbing-Opfern gesprochen. Ich möchte hier keine Verharmlosung von Mobbing vornehmen, sondern bewusst eine kleine, aber bewusste sprachliche Abgrenzung gegenüber den Personen treffen, die Opfer von jeglicher von physischer oder sexueller Gewalt geworden sind: Kriegsopfer, Terroropfer, Opfer von Gewaltverbrechen, Vergewaltigungsopfer, Opfer von schweren Naturkatastrophen oder Verkehrsunfällen.

Meine These dazu lautet: Sprache schafft Realität!

Die Verwendung des Begriffs Mobbing-Opfer lädt viele unbewusst dazu ein, in der Rolle des Opfers zu verharren. Es ist in dem Begriff Mobbing-Betroffene(r) mehr Handlungspotential enthalten als in dem Begriff Mobbing-Opfer. In unserer Gesellschaft verbirgt sich in der häufig verwendeten Redewendung „Opfer tun sich schwer …“ eine unbewusste innere Schwächung, sobald man als Opfer bezeichnet wird. Der Begriff Opfer ist passiv konnotiert. Aktiv wird man jedoch, wenn man die Formulierung „Handeln Sie jetzt, wenn Sie betroffen sind…“

Auch wenn grundsätzlich jede Person Opfer von Mobbing werden kann, so ist es mein Wunsch, dass aus passiven „Opfern“ wieder aktive „Betroffene“ werden, die handeln wollen und können. Dies möchte ich hiermit bewusst und unbewusst sprachlich ausdrücken. Und daher verwende ich den Begriff Mobbing-Betroffene. Nur soweit ich mich im allgemeinen Bereich der Rechtsthemen äußere, verwende ich jedoch den Begriff „Opfer“. Denn durch die vielen einzelnen Schikanen und Mobbing-Taten, werden die Mobbing-Betroffenen im juristischen Sprachkontext als Opfer bezeichnet. (Für Interessierte: in der Ausgabe der Psychologie Heute 09/2018 S. 29 beschäftigt sich der Artikel "Opfer!" ausführlich mit dem Bedeutung und der Geschichte des Begriffs Opfer.)

 

Person am Boden wird getretenGanz bewusst verwende ich jedoch den Gegenbegriff „Täter“. Und damit bezeichne ich grundsätzlich nicht nur den führenden Kopf, sondern auch die aktiven Mittäter als auch die passiven Zuschauer und Beobachter. Was im Mobbing geschieht, folgt für beide Seiten oft einer Kriegslogik: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ und der biblischen Formulierung „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“ (Mt. 12, 30).

Letzteres wirkt aus der Sicht der Mobbing-Betroffen besonders unglücklich aus. Wer die Mobbing-Betroffenen nämlich nicht unterstützt arbeitet indirekt gegen sie, weil damit sie keinerlei Unterstützung mehr von ihren Kollegen und Kolleginnen aus der Organisation erfahren.

Deshalb neige ich dazu, auch passive Beobachter, die neutral bleiben wollen und sich auch so verhalten, als Mit-Täter zu bezeichnen. Jeder Nicht-Widerstand gegen den Psychoterror unterstützt die Täter und damit ergeht auch von meiner Seite die Aufforderung, bei Mobbing nicht neutral zu bleiben und wegzuschauen, sondern aktiv zu intervenieren.

Dies gilt für Kollegen und noch viel mehr für Führungskräfte, denn Teil deren Führungsaufgabe ist es auch die Rahmenbedingungen der Arbeit zu gestalten: und damit auch das Arbeitsklima.

 

 

Warum glaubt man mir nicht – Mobbing-Betroffene in der FallePerson mit Fragezeichen

 

Warum erfahren Mobbing-Betroffenen so wenig Solidarität und Unterstützung? Weil viele Ihren Berichten keinen Glauben schenken. Selbst wenn ich bei Vorträgen und in persönlichen Gesprächen von den Erlebnissen Betroffener oder sogar von meinen eigenen persönlichen Erfahrungen aus meiner Schulzeit erzähle, sehen mich Menschen fassungslos an. Die häufigsten Reaktionen sind:

  • „Gibt’s das wirklich?“
  • „Das gab’s bei uns nicht.“
  • „Das kann doch gar nicht so extrem gewesen sein.“

Im „Mobbing-Report“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, heißt es Freund/innen und Bekannte konnten in 40 Prozent der Fälle helfen, in denen die Betroffenen diese um Hilfe baten. Der Rest jedoch nicht – das sind fast 60 Prozent. Bei Partner/in oder Familie sind es knapp 55 Prozent die helfen konnten, aber 45 Prozent eben nicht. Zu unvorstellbar und zu konstruiert, zu eingebildet erscheinen die berichteten Erlebnisse.

Die perfiden Schikanen, welche Betroffene erleiden sind für Außenstehende nur schwer zu verstehen. Dies betrifft sowohl die Welt der Schule als auch das Arbeitsleben. Eltern sind sich auch nicht immer sicher, ob ihre Kinder übertreiben oder gar lügen, über das was sie in der Schule erleben. Ähnlich geht es vielen Angehörigen und Freunden von Mobbing-Betroffenen im Beruf:

  • „Das bildest du dir ein.“
  • „Übertreib doch nicht.“
  • „Wirst halt auch dazu beigetragen haben."

Viele Lehrer sehen – oder noch schlimmer – wollen teilweile gar nicht sehen, was in den Klassen zwischen den Schülern geschieht. Einfache Beispiele hierfür sind:

  • Einem Schüler wird regelmäßig die Luft aus den Fahrradreifen gelassen.
  • Das Federmäppchen oder der Ordner mit den Mitschriften aus dem Unterricht wird aus der Schultasche entwendet und in der Klasse herumgeworfen und finden sich in Einzelteilen im ganzen Klassenraum wieder.
  • Beleidigende oder herabwürdigende Kommentare in den sozialen Netzwerken. Hier spricht man von Cyber-Mobbing.
  • Oder es werden Videoaufnahmen von peinlichen Situationen über die Smartphones herumgeschickt. Stichwort Happy Slapping (engl. lustiges Schlagen) und das ist ehrlich gesagt nicht lustig
  • Erniedrigende Sprüche und Witze im Unterricht oder in den Pausen , die auf Dauer die Betroffenen an sich selbst zweifeln lassen

Reaktionen von Lehrern die wegsehen oder gar zynisch reagieren: „Lasst mich mit euren Kindereien in Ruhe.“ oder „Klärt das untereinander.“ Eine ähnliche Haltung ist auch bei Führungskräften in Unternehmen verbreitet, in deren Verantwortungsbereich Mobbing auftritt. Im Berufsleben könnten es folgende Punkte sein

  • Ausschluss aus informellen Runden (z. B. Kaffeerunden)
  • verschwundene Tabellen, Dokumente und Ausdrucke
  • heimliches Anschwärzen beim Chef
  • Verweigerung von notwendigen Informationen von Kollegen

 

Wenn ich von konkreten Fällen berichte, z. B. einer Pflegeeinrichtung, in welcher Pflegekräfte mit einem Alter von über 50 Jahre und langjähriger Betriebszugehörigkeit aus Kostengründen von der Geschäftsleitung durch Mobbing und Schikane aus dem Betrieb getrieben werden, glaubt man das erst einmal nicht. Erst wenn man die konkreten Folgen beschreibt, z. B. dass deswegen eine Person Mitte 50 wegen Burnouts Erwerbsunfähigkeitsrente beziehen muss, reagieren die Zuhörer bestürzt.

Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit, Selbstmordversuche – oft erst ein „amtliches“ Schicksal macht den Nicht-Betroffenen klar, wie schlimm Mobbing ist, und dass die Betroffenen sich nicht nur etwas ausdenken.

Ich kenne es selbst aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn einem nicht geglaubt wird. Umso leichter fällt es mir heute, Betroffenen zu glauben, die zu mir in die Beratung kommen.

Mobbing-Betroffene sind froh, wenn sie jemanden finden, der ihnen aufrichtig zuhört und ihnen glaubt. Daher meine persönliche Bitte an Sie:

Hören auch Sie Mobbing-Betroffenen zu und glauben sie ihnen. Damit helfen diesen schon sehr. Und seien Sie sich bewusst – es ist oft schlimmer als Sie sich es selbst vorstellen können. Das dürfen Sie mir glauben.

 

Juristische Definition von „Mobbing“

 Waage

Das Landesarbeitsgericht Thüringen hat in seinem Urteil vom 10. April 2001 (Aktenzeichen: LAG Thüringen 5 Sa 403/00) eine juristische Definition von Mobbing veröffentlicht:

Im arbeitsrechtlichen Verständnis erfasst der Begriff des „Mobbing“ fortgesetzte, aufeinander aufbauende oder ineinander übergreifende, der Anfeindung, Schikane oder Diskriminierung dienende Verhaltensweisen, die nach Art und Ablauf im Regelfall einer übergeordneten, von der Rechtsordnung nicht gedeckten Zielsetzung förderlich sind und jedenfalls in ihrer Gesamtheit das allgemeine Persönlichkeitsrecht oder andere ebenso geschützte Rechte, wie die Ehre oder die Gesundheit des Betroffenen verletzen. Ein vorgefasster Plan ist nicht erforderlich. Eine Fortsetzung des Verhaltens unter schlichter Ausnutzung der Gelegenheiten ist ausreichend. Zur rechtlich zutreffenden Einordnung kann dem Vorliegen von falltypischen Indiztatsachen (mobbingtypische Motivation des Täters, mobbingtypischer Geschehensablauf, mobbingtypische Veränderung des Gesundheitszustands des Opfers) eine ausschlaggebende Rolle zukommen, wenn eine Konnexität zu den von dem Betroffenen vorgebrachten Mobbinghandlungen besteht. Ein wechselseitiger Eskalationsprozess, der keine klare Täter-Opfer-Beziehung zulässt, steht regelmäßig der Annahme eines Mobbingsachverhaltes entgegen.

 

Quelle: https://www.anderfuhr-buschmann.de/urteile/lag_thueringen_5_sa_403_00.htm

 

Vorurteile Burnout

 

Es gibt eine Reihe von Vorurteilen über Burnout. Nachstehend können Sie einige nachlesen.

 

Burnout ist eine Modediagnose

Das Deutsche Ärzteblatt in der der Ausgabe Dezember 2011 druckte einen Artikel mit dem Titel „Modediagnose Burn-out“ stellt aber im Laufe des Artikels fest: „Das Phänomen Burn-out hat es wahrscheinlich zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben.“ Als erste schriftliche Erwähnung verweist man auf die die sog. „Elias-Müdigkeit“ in der Bibel (1. Kön. 19, 1 – 17), die nach bibelhistorischen Einordnungen mindestens 3.200 Jahre alt sein dürfte.

Um Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine Modekrankheit der gehobenen Gesellschaftsschicht die sog. „reizbare Schwäche“ die den Symptomen des heutigen Burnouts entspricht; damals sprach man Neurasthenie. Diese Diagnose wird auch heute im ICD-10 als Diagnose unter F48.0 aufgeführt.

Als Hauptschwierigkeit gilt bei Burnout, dass bis heute keine klare Definition mit eindeutigen Abgrenzungen zu anderen Krankheiten gibt. Im ICD-10 wird die Diagnose „Burnout“ unter Z73.0 geführt. Allerdings wird diese Diagnose zusätzlich(!), aber nicht eigenständig vergeben wird. Eine besondere Schwierigkeit in den meisten Gesundheitssystemen ist, dass die Diagnose Z73.0 nicht abrechenbar ist, aber Diagnosen mit sehr ähnlichen Symptomen (Depression, Neurasthenie, Anpassungsstörung) sehr wohl.

Dies erschwert bis heute die Erarbeitung einer klaren Definition.  

 

Burnout ist eine Depression

Für die Allgemeinheit ist die Depression verbreitetet als psychische Erkrankung mit vielen gleichartigen Symptomen, die auch im Burnout vorhanden sind, bekannt. Daher der Trugschluss Burnout sei eine Depression. Die meisten Personen, die eine Depression haben, verfügen aber keinen inneren Antrieb, während Personen im Burnout sich in einem permanenten Kampfzustand befinden und weiterarbeiten.  Für die klassische Behandlung verwenden Ärzte und Therapeuten die Diagnose „Depression“, weil diese abrechenbar ist oder bei einem Antrag auf Berufsunfähigkeit eher einen sicheren Stand bei der Anerkennung als Krankheitsursachen haben als die noch nicht als vollständig anerkannte Diagnose Burnout.

 

Burnout ist ein Ritterschlag bei Leistungsträgern

Burnout bedeutet übersetzt ausbrennen, d. h. wer für sich die Diagnose Burnout nach außen in Anspruch nimmt, will damit auch aussagen, dass er/sie vorher mit aller Energie gebrannt hat. Es gibt auch Führungskräfte oder andere Leistungsträger, die über sich aussagen: „Ich habe bereits mein zweites Burnout hinter mir.“ Diese glorifizieren den Zusammenbruch und wollen damit den vollen Einsatz für ihr Unternehmen demonstrieren, und dass sie gewillt sind über ihre eigenen Grenzen hinaus zu gehen bereit sind. Tatsächlich betreiben diese Menschen Raubbau an ihrer eigenen Gesundheit. Darüber hinaus verursachen diese mit ihren Krankheitszeiten entsprechenden Kosten sowohl für die Behandlung als auch den Arbeits- bzw. Produktionsausfall und die entsprechende Lohnfortzahlung.

Tatsächlich sind solche Menschen in Führungspositionen äußerst gefährlich und werden auf Dauer teuer für das Unternehmen. Da sie ihre eigenen Grenzen nicht achten, missachten sie auch die persönlichen und gesundheitlichen Grenzen ihrer Mitarbeiter. Menschen mit einer gesunden Einstellung zu sich selbst, ziehen klare Grenzen und verlassen ggf. das Unternehmen, andere werden auf kurz oder lang krank. Sowohl die Ausfallzeiten bei Krankheit, die Personalneugewinnung als auch der Wissensverlust qualifizierter Mitarbeiter verursachen nur unnötige Kosten im Unternehmen. Wenn Ritterschlag, dann Raubritterschlag zu Ungunsten des Unternehmens, bei dem beide – sowohl der „Ritter“ als auch das Unternehmen – verlieren.

 

Burnout wird durch Urlaub geheilt

„Du brauchst nur Urlaub nehmen.“ Diesen Ratschlag erhalten oft die Betroffenen.  Tatsächlich können diese sich nicht mehr erholen. Der Zustand ist jedoch wieder der gleiche sobald man wieder an den Arbeitsplatz zurückkehrt.  Die Symptome kehren spätestens nach zwei Wochen zurück.
Denn die Betroffenen können im Urlaub nicht mehr ihre inneren Energiereserven aufladen.  Die Abwesenheit von der Arbeit kann diese belasten, manche Menschen lesen berufliche Emails zuhause oder wollen auch im Urlaub ständig informiert sein. Oder es könnten zusätzliche private Probleme geben (z. B. Beziehungsprobleme, finanzielle Probleme oder sonstige belastende Ereignisse), die keine Erholung ermöglichen. Auch besondere Hobbies oder Ehrenämter können ebenfalls die Erholung massiv beeinträchtigen. Speziell Ehrenämter mit besonderer Verantwortung wie Vorsitzende(r) oder Kassier/Schatzmeister, bei denen man auch öffentlich exponiert sind, können bei Schwierigkeiten ebenfalls dem Erholungseffekt zuwiderlaufen.

 

Burnout ist nur eine Ausrede für Faule

Dieses Vorurteil ist die konsequente Umkehrung der Aussage, dass Burnout eine Auszeichnung für Leistungsträger wäre. In der Regel sind Personen, mit hoher Gewissenhaftigkeit und Leistungsbereitschaft betroffen von Burnout. Es handelt sich bei diesem Vorurteil hier um den Versuch von verständnislosen Arbeitgebers Druck auf kranke Mitarbeiter auszuüben, sich möglichst schnell wieder an den Arbeitsplatz zu begeben. Meist wirkt das bei Burnout-Betroffenen noch viel stärker, da es bei ihrem Verantwortungsbewusst massiv rüttelt. Wenn diese keine Kraft mehr haben, so drückt dieser Umstand diese noch viel tiefer in die Verzweiflung.  

 

Symptome für Burnout

 

Im Verlauf von Burnout bauen die emotionale, soziale, intellektuelle und körperliche Leistungsfähigkeit ab. Bei Burnout treten viele der nachstehend beschriebenen Symptome (Anzeichen) auf.

Mit dem Fortschreiten des Burnout-Prozesses treten auch immer mehr Symptome auf.
Es müssen nicht alle Symptome auftreten, und z. T. können auch nicht alle Symptome auftreten, da je nach persönlicher Bewältigungsstrategie der Betroffenen Person, diese entweder eher drepessiver oder agressiver Art sein. 

Manche Symptome können jedoch nicht nur die Folgen von Burnout, sondern auch eine Beschleunigung des Burnouts verursachen. Zum Beispiel können unbewältigte Probleme und Konflikte Spannungen in der Muskulator und damit Kopf- und Rückenschmerzen verursachen und diese wieder senken die Konzentrationsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Betroffenen.

Nachstend finden Sie eine umfangreiche Auflistung für Burnout-Symptome (strukturiert nach Berndt, ergänzt aus Burisch).

 

Emotionale Anzeichen (inneres Erleben)

  • Verlust von Idealismus, Desillusionierung, Frustration
  • Verlust der Empathie, vermindertes Einfühlungsvermögen, Apathie, Gleichgültigkeit, mechanisches Funktonieren
  • verringerte emotionale Belastbarkeit
  • Hang zur Nörgelei, Ungeduld, Intoleranz
  • Dünnhäutigkeit, leichte Reizbarkeit, unkontrollierte Gefühlsausbrüche
  • aggressives Verhalten mit Schuldzuweisungen
  • starker Widerwille, täglich zur Arbeit zu gehen
  • Stereotypisierung von Klienten und/oder Kunden
  • latentes Misstrauen, paranoide Vorstellungen
  • Zynismus, Sarkasmus
  • Grundgefühl der Niedergeschlagenheit und Entmutigung
  • vermehrt depressive Reaktionen und Rückzug
  • Schuldgefühle, Selbstvorwürfe, Selbstverachtung und Selbstanklage
  • Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht
  • Selbstmitleid
  • unbestimmte Angst und Nervosität
  • Gefühl der Leere und existenziellen Verzweiflung
  • Gedanken an Flucht und an Suizid (Selbstmord)

 

Soziale Anzeichen (zwischenmenschliches Verhalten)

  • Empfinden sozialer Kontakte als Belastung
  • Unfähigkeit, sich auf Mitarbeiter, Kunden, Klienten, Schüler und/oder Patienten einzulassen oder zuzuhören
  • Überdruss, Unlust, Menschen zu begegen
  • Verschieben von Kunden- oder Klientenkontaten
  • häufigere Fehlzeiten am Arbeitsplatz (z. B. Krankschreibungen)
  • längere Pausen
  • Verlagerung des Schwergewichts auf die Freizeit, Aufblühen am Wochenende
  • Höheres Gewicht materieller Bedingungen für die Arbeitszufriedenheit
  • verringerte Konfliktfähigkeit, übersteigerte Reaktionen
  • verringerte Belastbarkeit im Privatleben
  • Isolierung und Rückzug
    (z. B. Flucht in Computerspiele, überhöher Fernsehkonsum oder andere Mittel, um das Denken abzuschalten)
  • Ehe- und Familienprobleme

 

Intellektuelle Anzeichen (geistige Fähigkeiten)

  • Konzentrationsstörungen, Neigung zu Tagträumen
  • Unproduktivität
  • Gedächtnisschwäche
  • Ungenauigkeit
  • Desorganisation, Verlegen von Dingen
  • Unfähigkeit zu klaren Anweisungen
  • Gefühl der Überforderung - vor allem bei komplexen Aufgaben oder Veränderungen
  • mangelnde Fähigkeit, sich auf Neues einzulassen oder sich mit Unbekannten auseinanderzusetzen
  • Schwierigkeiten, Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen
  • Einbuße an Fantasie und Flexibilität
  • Verlust an Motivation
  • Initiativlosigkeit, Minimalismus, Dienst nach Vorschrift
  • Rigides Schwarz-Weiß-Denken
  • Widerstand gegen Veränderungen aller Art

 

Körperliche Anzeichen (psychosomatische Reaktionen)

  • Schwächung der immunreaktion; häufiger Erkältungen und Grippe
  • Schlaf- und Durchschlafstörungen, Albträume
  • Müdigkeit, Erschöpfung, Schwäche und Energiemangel
  • Abnahme der Reaktionsschnelligkeit - erhöhte Unfallgefährdung
  • Sexuelle Probleme
  • Gerötetes Gesicht
  • Herzklopfen
  • Engegefühl in der Brust
  • Atembeschwerden
  • Beschleunigter Puls
  • Erhöhter Blutdruck
  • Muskelverspannungen
  • Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Nervöse Tics
  • Verdauungsstörungen
  • Übelkeit
  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Gewichtsveränderungen
  • Veränderte Essgewohnheiten; erhöhter Cholesterinspiegel
  • vermehrter Griff zu Aufputschmitteln, Hilfs- oder Verdrängungsmitteln (z. B. erhöhter oder exzessiver Konsum von Alkohol, Kaffee, Tabak, Medikamenten und/oder anderen Drogen)

 

Quellen:

Frank H. Berndt "30 Minuten Burn-out", S. 23 - 26

Matthias Burisch: "Das Burnout-Syndrom", S. 26 - 29

Beide Bücher finden Sie auch in meinen Literaturempfehlungen.

 

 

 

100+ Mobbing-Handlungen nach Wolmerath und Esser

 

In Anlehnung an die 45 Mobbing-Handlungen von Prof. Leymann haben die Autoren Dr. Axel Esser und Dr. Martin Wolmerath sogenannte „Bausteine“ des Mobbings zusammengestellt und diese in zehn Kategorien unterteilt. Erstmals sind diese in der Fachzeitschrift „Arbeitsrecht im Betrieb“ Ausgabe 07/2000 als „100+ Mobbing-Handlungen“ erschienen. Die nachfolgende (aktualisierte) Aufstellung wurde dem Buch „Mobbing und psychische Gewalt“ der beiden Autoren entnommen.

Grundsätzlich gilt wie auch bei Leymann auch hier: Einzelne Handlungen daraus sind noch nicht hinreichend, um nicht auf Mobbing schließen zu können. Je mehr dieser Bausteine gegen eine einzelne Person vorkommen, desto eher kann man Mobbing annehmen.

 

Burnout - eine satirische Annäherung

 

Der Comedian Johann König hat einen Burnout-Song verfasst. Mit diesem hat er schon breite Kontroversen ausgelöst. Auch in meinem Vorträgen bekomme ich widersprüchliches Feedback, wenn ich den nachfolgenden Auftritt als Video zeige.
ich habe verschiedene Zeitpunkte bereits ausprobiert. Speziell, wenn ich diesen als Abschluss zeige und die Zuhörer das Thema Burnout sehr nachdenklich und ernsthaft wahrgenommen haben, erlebe ich durchaus verärgerte Reaktionen, weil manche Zuhörer das Gefühl haben, die Betroffene werden verspottet.

Ich finde den Song im satirischen Kontext sehr sinnvoll, wenn man sich mit Burnout beschäftigt. Denn der Text überspitzt Klischees und Vorurteile zu Burnout und zu Personen, die vorgeben Burnout zu haben. Gerade in der kritischen Auseinandersetzung mit dem Text, wird man sich bewusst was Burnout ist, und wie unklar dieser doch definiert ist.

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